Frankfurt Marathon: Frustbewältigung und Ursachenforschung

Ich bin immer noch enttäuscht. Da habe ich mich so intensiv wie noch nie vorher auf einen Marathon vorbereitet, bin von Verletzungen und Krankheiten verschont geblieben, die äußeren Bedingungen am Sonntag waren perfekt. Was mache ich daraus? Aus meiner Sicht ein totales Desaster. Ich weiß, es gibt tausende von Läufern, die einmal solch eine Zeit laufen wollen, aber ich hatte einen anderen Anspruch. In Münster hatte ich es ja mit ziemlichen Magenkrämpfen zu tun, das kann passieren, war auch ärgerlich aber nicht ganz so frustrierend.

Das ich eigentlich richtig fit war, hat dann ja auch die unglaubliche 37er Zeit beim Bedburger Citylauf gezeigt. Genügend lange Läufe habe ich gemacht, sogar der Trainingsmarathon in Köln, hatte ich trotz der Hitze und den leichten Kreislaufproblemen nach dem Lauf sehr gut verkraftet.

Die Anreise war völlig ohne Probleme vonstatten gegangen. Kurz nach 8.00 Uhr war ich schon an der Festhalle, also zwei Stunden Zeit, sich mit den Laufmonstern und eventuell mit dem Twitterlauftreff zu treffen. Es war noch nicht viel los um diese Uhrzeit, selbst der Startbereich war noch nicht aufgebaut. Hatten die Veranstalter selbst die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit vergessen? Einen Teil der Laufmonster habe ich dann auch recht schnell getroffen, Michael und Jose sollten an diesem Tag neue Bestzeiten laufen. Glückwunsch nochmals hierzu.

Die Dixies waren zu diesem Zeitpunkt auch noch ohne Probleme zu benutzen, sie waren noch sauber, Toilettenpapier war vorhanden und keine Schlangen. Das sollte sich allerdings sehr schnell ändern. Es wurde zusehends immer voller und unübersichtlicher. Jetzt zeigte sich auch, dass es hier in Frankfurt auch nicht mehr Teilnehmer geben darf. Es platzte alles aus den Nähten, was sich auch im ersten Startblock sehr negativ bemerkbar machte. Nachdem wir uns endlich dort reingekämpft hatten, standen wir dort eingequetscht wie Ölsardinen in der Dose. Wenn einem jetzt aus irgend einem Grund die Schuhe aufgehen sollten, keine Chance. Dieser Block war angesichts der vielen schnellen LäuferInnen einfach viel zu groß. Da sollten die Veranstalter für nächstes Jahr eine weitere Unterteilung machen und auch die Kontrolle, ob Läufer überhaupt hier vorne stehen sollten, müssen besser sein. Nach dem Startschuss war es eine echte Herausforderung, nicht einem in die Hacken zu laufen oder selbst von hinten einen ab zubekommen.

Ich fühlte mich an diesem Tag wirklich super, locker und nachdem sich das Feld ein wenig entzerrt hatte, bin ich dann auch endlich in das richtige Lauftempo gekommen. Nach 5 km blieb die Uhr bei 20:59 stehen, das war ja schon so, wie es sein sollte. Hier habe ich dann auch den Heiko und Markus vom Twitterlauftreff getroffen und mit Markus bin ich dann einige Kilometer gelaufen, wobei er hier schon sagte, das es nichts geben wird mit dem Angriff auf die sub 3. Ich fühlte mich super, es lief absolut rund und die Tempomacher für die 2:59 waren endlich in Sichtweite. Langsam aber stetig konnte ich an diese riesige Gruppe aufschließen. Schon war auch die 10 km Marke erreicht: 42:06, alles perfekt. Fast alles! Ich spürte, das meine Blase ziemlich voll war und mit jedem Schluck Wasser wurde der Druck immer größer. Ich hatte ja noch die Hoffnung, das sich das wieder gibt. Weiter ging es, die Kilometer flogen nur so an uns vorbei, die Stimmung an der Strecke und bei den LäuferInnen war einfach super. Kilometer 15 war dann bei 1:02:36 erreicht, das Tempo war etwas schneller geworden. Aber auch meine Blase machte sich jetzt immer deutlicher bemerkbar. Ich hatte die Befürchtung, dass ich hierdurch wieder Probleme bekomme und so entschloss ich mich, zwischen km 19 und 20 kurz an die Seite und die Blase entleeren. Das ganze dauerte knapp 45 Sekunden (Daniel, du hast recht!), aber ich fühlte mich absolut in der Verfassung, diese Zeit, gerade wieder mit weniger Gewicht, aufzuholen.

Zwischenzeit dann bei km 20: 1:24:28, genau im Zeitplan. Eigentlich alles richtig gemacht, aber dann wollte ich mit aller Macht, möglichst schnell wieder an die Gruppe um die Tempoläufer mit den 2:59 Ballons. Den Halbmarathon bin ich dann mit einer 1:29:01 durch, so sollte es weitergehen. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich immer noch absolut auf dem richtigen Weg, es lief alles locker, es machte Spaß und ich überholte weiter Läufer. Kilometer 25, auch hier noch immer voll im Soll (1:45:49). Aber dann mit dem Kilometer 27 merkte ich, es wird härter. Ich versuchte, einfach mal ein bis zwei Kilometer etwas das Tempo raus zunehmen und etwas Kräfte zu sparen, aber das war dann eigentlich der Anfang vom Ende. Ich wurde immer langsamer, hatte absolut nichts mehr dagegen zu setzen, so sehr ich auch vom Kopf her wollte, es ging einfach nicht. Kilometer 30 schon eine Minute verloren und nach der Marke die erste Gehpause. Was für eine Sch….! Es ging einfach nicht mehr. Immer wieder versuchte ich, irgendwie weiter zu laufen, weil aufgeben stand eigentlich nicht zur Debatte, oder doch? Wenn ich irgendwie gewusst hätte, wie ich in die Innenstadt komme, dann hätte ich das Rennen abgebrochen. Ist schon besser, wenn man sich nicht auskennt 😉 Irgendwann haben mich dann auch Heiko (3:06:26, Bestzeit), Markus (3:11:03, überhaupt nicht zufrieden), Michael (3:06:39, Bestzeit) überholt, aber ich hatte absolut keine Möglichkeit mehr, mich da irgendwie dran zu hängen. So quälte ich mich irgendwie durch die die Straßen von Frankfurt, zwar immer wieder von den Zuschauern angefeuert, aber das hat zwar dahin geholfen, dass ich das zu Ende gebracht habe, aber mehr auch nicht. Dann irgendwann war der letzte Kilometer angebrochen, ich trottete einfach so noch vor mich hin, wenigstens wollte ich den Einlauf über den roten Teppich genießen, der diese ganze Strapaze ein wenig erträglich scheinen lassen sollte.

Im Ziel war ich völlig am Ende und meine Laune war natürlich entsprechend. Woran hat es nun gelegen? Bin ich zu schnell angegangen? War die Vorbereitung zu hart, weshalb mir die Kraft fehlte? Ich kann es immer noch nicht sagen. Auch jetzt fast eine Woche danach, suche ich noch nach einer Erklärung. Vielleicht habe ich meinen Zenit erreicht, schneller als 3:03 geht nicht, das Tempo kann ich längstens auf 35 km halten, vielleicht sollte man einfach die Marathonstrecke für mich verkürzen. Zu verbissen bin ich meiner Meinung nach nicht, schließlich deuten die Zeiten auf 10 und HM ja schon darauf hin, das die sub 3 machbar sind. Vielleicht hat ja jemand eine ganz tolle Idee, wie ich diese Einbrüche vermeiden kann (bitte nur legale Vorschläge).

Ich bin wirklich immer noch frustriert, habe auch noch keine Ahnung, ob ich das Projekt Marathon in 2012 überhaupt noch einmal angehen werde. Ich habe sogar mal kurzfristig darüber nachgedacht, die Schuhe ganz an den Nagel zu hängen! Eine Planung gibt es natürlich für 2012 noch keine, aus diesem Tief muss ich erst noch raus kommen und so einfach durch die Gegend laufen, ohne ein sportliches, zeitliches Ziel, das kann ich nicht.

Hier nochmal die Splits:

km 5: 20:59 Pace: 4:12
km 10: 42:06 Pace: 4:14
km 15: 1:02:36 Pace: 4:06
km 20: 1:24:28 Pace: 4:23
km HM: 1:29:01 Pace: 4:10
km 25: 1:45:49 Pace: 4:19
km 30: 2:08:22 Pace: 4:31
km 35: 2:37:50 Pace: 5:54
km 40: 3:07:42 Pace: 5:59
Ziel: 3:19:46 Pace: 5:30

Strecke: 42,195 km; Zeit: 3:19:46; Pace: 4:43

Laufmeister – eigentlich immer schön laufen lassen

11 Kommentare

  1. Zuerst mal eins vorweg: Du läufst auf alle Fälle weiter!!! Ich habe momentan auch nur das Ziel gesund zu werden und kein sportliches Ziel.
    Jetzt zu deiner Verzweiflung warum es nicht mit einer sub3 funktioniert: Ich beobachte ja meistens wie und was du trainierst und es kommt mir so vor als machst du viel zu viele Tempoläufe und Intervalle. Du schreibst selbst das du dich so Intensiv wie noch nie vorbereitet hast. Wahrscheinlich tust du dich in der Marathonvorbereitung zu sehr im Training verausgaben. Und diese Kraft fehlt dir dann beim Wettkampf selbst….
    Noch ein paar Fragen: Hast du genügend gegessen? Und getrunken?
    Lass den Kopf nicht hängen denn es gibt schlimmeres als einen Marathon nicht unter 3Std. zu laufen!

    1. Hallo Frank,

      Du hast natürlich recht, es gibt schlimmeres als die sub 3 nicht zu schaffen. Gegessen und getrunken habe ich auf jeden Fall genügend. Intervalle und Tempoläufe mache ich eigentlich nur jeweils einen pro Woche und dann meist Freitag oder Samstag den Langen und dann entsprechend einen lockeren DL. Eigentlich bin ich der Meinung, das ist nicht zuviel.

      Weiterlaufen werde ich wohl schon 😉 Dir weiterhin gute Besserung.

      Grüße Kay

      1. Ich möchte dir jetzt auch nichts falsches unterstellen deswegen habe ich mir nochmals deine letzten Trainingswochen angeschaut und ich sehe:
        11.9 Marathon in 3:22Std.
        17.9 10km in 37:41min
        25.9 10km in 38:45min
        2.10 Marathon in 3:33Std
        10.10 7,5km im 4:03er Schnitt
        12.10 4mal 2000m in 7:30min
        14.10 28km in 4:42er Schnitt
        17.10 10km in 4:10er Schnitt
        19.10 15km in 4:26er Schnitt
        Ich finde das ist ein wirklich sehr intensives Programm. Innerhalb von 3Wochen 2Marathons und zwei 10km Wettkämpfe können doch nur müde machen!?
        Und danach wird es auch nicht viel lockerer…. Nimm mir das jetzt bitte nicht übel wenn ich dir meine ehrliche Meinung sage aber ich glaube du hast da ein wenig überzogen.
        Danke übrigens für die Genesungswünsche. Ist nicht schön wenn man nur mit einem Bein läuft! 🙂 Das eine ist total vom Nerv abgeklemmt!

      2. Hi Frank, wenn ich mir das mal so da anschaue, dann gebe ich Dir absolut recht. Ich habe es ziemlich übertrieben.

        Übel nehme ich Dir das überhaupt nicht, das ist doch eigentlich auch der Sinn des Bloggens. Man braucht halt mal jemanden, der einem die Augen öffnet. Ich habe mich in dieser Zeit eigentlich nie überfordert gefühlt, aber wie man ja gesehen hat, war dem wohl doch so.

        Danke Frank. LG Kay

  2. Ich weiß auch noch nicht, warum ich mein Tempo ab KM32 nicht halten konnte und genauso eingegangen bin. Bei mir fehlten wohl die langsamen, langen Einheiten. Vielleicht schaffen wir es ja, mal gemeinsam zu trainieren und im nächsten Frühjahr einen weiteren lockeren Versuch zu starten. Und wenn es nicht über die Marathondistanz klappt, dann laufen wir demnächst wirklich nur die kürzeren Strecken und gewinnen Cup-Serien:)
    Auch mein Kopf hat sich inzwischen wieder gehoben:)

    1. Wenn Du nur nicht so weit weg wohnen würdest, in Köln war das einfacher. Wir sehen uns am Dienstag, da werden wir das vielleicht mal in einen Plan umsetzen.
      Warst Du noch lange beim REA-Cup am Freitag?

      Gruß LM Kay

  3. Wir haben ja auch schon telefoniert und uns über deinen Lauf unterhalten. Der guten Tipps sind hier auch schon genug gefallen. Jeder reagiert eben individuell auf gewisse Einflüsse und benötigt zudem andere Trainingsreize. Mit 3:03 bis du ja nicht wirklich so weit weg von deiner Wunschzeit, dass man davon reden kann, dass du deinen Zenit bereits überschritten hast bzw. soooo verkehrt kann dein Training dann auch nicht gewesen sein.

    Vielleicht gibt dir ja die Teilnahme am Samstag beim 6 Stundenlauf in unserer Staffel wieder einen positiven Kick! Da kannst du deine Stärke auf den kurzen, schnellen distanzen voll ausspielen!

    Gruß
    Michael

  4. Hallo Kay,

    ich habe noch am Abend des FFM-Marathon sofort im Internet nach den Ergebnissen geschaut. Und als ich dann eine 3:19h bei Dir sah – oje – dachte ich nur, das kann doch nicht wahr sein, dass der Kay schon wieder Pech hatte.

    Aber gut – es ist, wie es ist! Erstmal muß ich mich Frank anschließen – Du mußt weiter laufen! Du bist Vorbild und „Zugpferd“ für viele andere (auch für mich) und auch das Bewältigen solcher aktueller Krisen ist Ansporn für den einen oder anderen Deiner „Groupies“. 😉

    Aus meiner Sicht hast Du den Preis gezahlt, mit dem man wohl immer rechnen muß, wenn man so hart am Limit trainiert, wie Du. Selbst ein Haile Gebreselassie verkackt mal eine Rennen. Oder aber die große deutsche Hoffnung André Pollmächer – ausgestiegen in Frankfurt. Und solche Top-Läufer sind bestimmt nicht weniger optimal vorbereitet.

    Dein Programm aus September und Oktober ist schon ziemlich heavy! Vor allem mit den zwei Marathons so kurz hintereinander und schon sehr flott gelaufen. Ich will mir nicht anmaßen, zu behaupten, dass das alles zu viel ist für Dich, aber ob das immer so in Deinem Trainingsplan steht? 😉

    Wie auch immer Kay – Du wirst das verarbeiten. Und 2012 wollen wir Dich ALLE wieder am Start sehen. Vielleicht ja mal ein Jahr ohne den ganz großen Marathon? Du wolltest Dich doch eh‘ mal mehr auf die Kurzstrecke konzentrieren.

    Jetzt krieg‘ aber erstmal den Kopf wieder frei und erhol Dich gut! Alles Gute!

    Grüße aus Köln!
    Mario

    1. Vielen Dank Mario, das baut einen doch wieder richtig auf. Du und Frank, ihr habt schon vollkommen recht, es war wohl doch etwas zu viel. Der Köln Marathon stand so natürlich nicht im Plan, aber ich hatte mir ja überlegt, einen richtig langen Lauf, mit Verpflegung und jeder Menge Leute so zu genießen. Ich hätte danach einfach das Tempo richtig rausnehmen sollen, wollte es mal wieder mit der Brechstange erreichen.

      Ich werde auch 2012 an den Start gehen, allerdings wo, keine Ahnung, wird sich vielleicht morgen beim Laufmonster-Stammtisch ergeben. Wenn Du magst, bist herzlich eingeladen.

      Gruß Kay

  5. Hallo Kay !

    Wie ich lesen kann, gehts Dir immer noch bescheiden schön und Du haderst noch mit Dir.
    Das bedaure ich sehr, denn eigentlich hast Du keinen Grund dafür.
    Natürlich, und für jeden von uns auch verständlich, ärgerst Du Dich, daß es mit Deiner PB nicht geklappt hat,stellst jetzt die Lauferei in Frage, willst die Schuhe an den Nagel hängen, nie wieder Marathon laufen,…

    ABER DAS wirst DU NIE machen.
    Wie ich Dir ja schon mal gesagt habe, sind wir Freizeitsportler die wahren Helden unter den Marathonis und unter denen bist Du doch unser Superheld.

    Ich habe mich so manches mal gefragt, wie Du das alles so bewältigst, schon alleine Deine Wettkämpfe von September an.Und ich weiß,was es heißt, sich auf einen Marathon vorzubereiten.
    Vielleicht liegt da auch der Grund für “ Dein scheitern „,
    wenn man es überhaupt so nennen kann.
    Und wenn Du was ändern willst, dann würde ich da 2012 ansetzen?! Aber nicht mit dem Nagel 🙂

    Für die letzten Wochen 2011 wünsche ich Dir erst mal gute Erholung, das der Kopf wieder klar wird und ein paar kleine, lockere Regenrationsläufe.
    Laufen OHNE zeitliche Ziele macht auch Spaß.
    Vielleicht kannst Du ja jemanden aus Deiner Familie dafür begeistern und mitnehmen.( Dann klappts auch mit einer achter Pace 🙂

    Liebe Grüße Viola

    Genau in dem Moment, als die Raupe dachte, die Welt geht unter, wurde sie zum Schmetterling.

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