Perfektes Rennen – mit neuer HM Bestzeit

Urkunde HM Bonn 2011

Irgendwie fehlen mir immer noch die richtigen Worte. Ich musste mich erst einmal sammeln, damit ich das Ereignis überhaupt richtig einordnen kann.

Um 5.30 Uhr klingelte der Wecker und der hat mich aus einem völligen Tiefschlaf heraus gerissen. Ich konnte das Klingeln zuerst nicht zuordnen, bis ich es dann endlich geschnallt hatte und den AUS-Knopf gedrückt hatte. Meine Familie war nicht bereit, ihren Schlaf für ihren verrückten Vater/Mann zu unterbrechen und mir wenigstens viel Glück zu wünschen 😥

Nach dem Frühstück und den sonstigen morgendlichen Gängen zog ich mich an und warf einen Blick auf das Außentermometer: 4,5 ° C, nicht gerade warm, aber es waren ja auch erst 6.30 Uhr und bis zum Start werden es sicherlich noch einige Grad mehr werden. Die Wetteraussichten waren eigentlich perfekt. Es sollte fast windstill werden, sonnig und Temperaturen am Vormittag von nicht mehr als 15 Grad.

Um 7.00 Uhr habe ich mich dann mit Laufmonster Harald und dessen Frau getroffen und gemeinsam ging es in die ehemalige Bundeshauptstadt und meinen jetzigen Arbeitsstätte. Der angepeilte Parkplatz mit Shuttlebus war bereits hoffnungslos überfüllt, so sind wir einfach Richtung Start und Innenstadt gefahren und konnten rund 5 Minuten zum Startbereich parken. Perfekt. Ohne groß aufgeregt zu sein, ging es dann zum Umziehen und Klamottenabgabe, alles völlig easy, auch alles sehr gut organisiert. Perfekt. Los ging es runter zum Rhein, ein wenig Warmlaufen war schon nötig bei den zu diesem Zeitpunkt noch herrschenden Temperaturen. Dann ging es auch schon in den Startblock, wo noch die Handbiker und Inliner auf ihren Start warteten. Die Stimmung war schon großartig, die Musik hämmerte aus den Boxen, die Anwohner waren sicherlich ziemlich begeistert.

Nachdem die Menschen mit Rollen gestartet waren, konnten wir uns so langsam auf den Start vorbereiten. Von Nervosität war weiterhin noch überhaupt nichts zu spüren. Folgende Renntaktik hatte ich mir überlegt: Es sollte ein Steigerungslauf werden. Die ersten 7 km in einem Tempo von 4:15, das zweite Drittel dann auf 4:00 steigern und dann im letzten Drittel alles raus, was noch möglich ist. Soweit der Plan. Da es sich ja eigentlich um einen Trainingslauf handelte, am Freitag hatte ich noch eine 10 km Runde in 52 Minuten absolviert, war mein Minimalziel unter der 1:30 zu bleiben. Ich wusste ja nicht, wie es am Schluss aussehen würde, ob ich nach der Steigerung im letzten Drittel nicht doch noch irgendwann einbrechen sollte. Schließlich gab es bei km 17 eine empfindliche Steigung, die ich noch in schlechter Erinnerung hatte.

Endlich wurde dann mit etwas Verspätung die letzten 10 Sekunden angezählt und dann ging es auch schon los. Die Meute setzte sich in Bewegung. Wir standen schon recht weit vorne, doch leider hatte der Veranstalter auf den ersten 200 Metern nach der Startlinie die Strecke nochmals verengt, wofür das nun gut sein soll, weiß ich nicht, vielleicht damit man an den Zuschauern näher dran ist? Harald hatte wohl eine gute Lücke erwischt und war schon verschwunden. Ich durfte mich hinter einigen Läufern, die nun wirklich nichts in diesem Startblock zu suchen hatten einordnen und auf eine Möglichkeit warten, um an ihnen vorbei zu kommen. Es wäre schön, wenn sich doch wirklich alle daran halten würden. Ich kann zwar verstehen, dass man möglichst früh starten möchte, zumal die letzten Blöcke erst auf die Strecke geschickt wurden, nachdem wir schon bei km 7 wieder am Start vorbei kamen.

Als es dann aber endlich auf die Kennedy Brücke ging, wurde der Platz auch besser und man konnte endlich sein Tempo laufen. So habe ich dann erst einmal ein wenig Gas gegeben, ohne jedoch an meine Zeitvorgaben zu denken. Ich war aber auch eher mit anderen Dingen beschäftigt. Da ich ich in Bonn arbeite und einige Kolleginnen und Kollegen in Bonn wohnen, war ich erst einmal damit beschäftigt, die Menschen am Straßenrand zu scannen. Den einen und anderen habe ich dann auch entdecken und grüßen können. Aber unseren schnellen Fotografen habe ich nicht gesehen. Trotzdem oder gerade deshalb vielen Dank an Frank, für die Fotos.

Bonn 2011-5 Bonn 2011-3

Die ersten km bin ich dann schon unter einem 4er Schnitt gelaufen und fühlte mich dabei sehr gut. Ich war in einer Gruppe unterwegs, die dieses Tempo hielt, aber dann schon recht schnell langsamer wurde. Da ich zu diesem Zeitpunkt meine Renntaktik schon über den Haufen geworfen hatte, versuchte ich eine weitere Gruppe einzuholen, die ein wenig weiter unterwegs war und ein schönes Tempo drauf hatte. Nach der ersten Wende hatte ich die Gruppe eingeholt, die dann aber auch schon wieder zerfiel und so habe ich die Beine in die Hand genommen und bin einfach mein Tempo gelaufen. Und es lief wirklich richtig gut. Das Tempo konnte ich fast immer gleich hoch halten und ich fühlte mich großartig. Perfekt.

Auf der Gegengeraden nach der letzten Wende konnte ich gut die führenden Läufer beobachten. Laufmonster Harald war super unterwegs, mir war da schon klar, das wird ein Platz unter den Top 50. Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann auch nicht mehr auf die Uhr geschaut, ich fühlte mich gut, überholte noch einige Läufer vor mir und war gespannt auf den Anstiegt zur Museumsmeile. Aber diesmal ging es erstaunlich gut. Mein bisheriges Training scheint sich wirklich auszuzahlen. Ohne groß an Tempo zu verlieren, ging es dann Richtung Innenstadt. Bei der letzten Verpflegung habe ich dann die installierte Dusche als letzte Erfrischung genutzt und freute mich auf die groß angekündigte Fanmeile der Deutschen Post. Leider war die Stimmung dort nicht so, wie ich es eigentlich erwartet hatte. Gerechnet hatte ich mit einem Moderator, mit Musik, aber leider hat da der Hauptsponsor wohl gespart. Nicht so perfekt. Nun ging es weiter durch die Altstadt über Kopfsteinpflaster, was die volle Konzentration von jedem Läufer abverlangte. Dann eine letzte Kurve, ich konnte nun schon den Moderator, Musik und Jubel der Zuschauer hören. So soll es sein, ich bekam eine Gänsehaut. Nun konnte ich auch die Zeitnahme erkennen und staunte nicht schlecht. Dort war gerade die Uhr auf 1:24 umgesprungen und ich hatte nur noch wenige Meter bis zum Ziel. Unglaublich, Wahnsinn! Eigentlich ein Trainingslauf und dann eine neue Bestzeit. Mit einer 1:24:34 konnte ich meine bisherige Zeit aus dem Jahr 2008 um 50 Sekunden verbessern.

Völlig glücklich ging es durchs Ziel, Harald stand auch direkt dort, auch er konnte seine bisherige Bestzeit nochmals unterbieten. Wir beide konnten die soeben erbrachte Leistung im ersten Augenblick gar nicht richtig fassen. Das war alles irgendwie so unwirklich, aber doch wahr.

Wo soll das denn diese Saison noch hinführen? Wenn ich ja jetzt eigentlich noch in der Trainingsphase bin, die Generalprobe erst noch kommt und der Höhepunkt dann in Duisburg beim Marathon sein wird. Hoffentlich kann ich diese Form noch weiter ausbauen und bis Ende Mai beibehalten.

Diesen Erfolg habe ich dann am Nachmittag mit Familie und Nachbarn bei herrlichstem Grillwetter und einigen kühlen Bieren gefeiert. Das hatte ich mir verdient.

Laufmeister – immer schön laufen lassen

17 Kommentare

  1. Na super! Herzlichen Glückwunsch, Kay!

    Ein verdienter erster „kleiner“ Erfolg Deiner guten Vorbereitung. Na dann darf man ja auf Weiteres gespannt sein ….

    Grüße aus Köln!
    Mario

    1. Erster kleiner Erfolg, sehr gut! Selbst wenn es bei den nächsten nicht so laufen wird, damit bin ich erst einmal vollkommen zufrieden.

      Danke Dir.

      Grüße nach Köln
      Kay

  2. Super Leistung! Glückwunsch!

    Einen Halbmarathon unter 1:30 zu laufen, scheint ja ganz einfach zu sein. Zumindest kommt es mir so vor, wenn ich deinen Bericht lese 😉

    LG
    Carsten

  3. BOAH! Mir fehlen echt die Worte: eine Wahnsinns-Leistung, die Du da vollbracht hast. Bis eben noch war ich stolz auf meine eigene neue Bestzeit, die ich zeitgleich mit Dir in Cuxhaven erreicht hatte: 1:48:25. Aber ab sofort spreche ich nicht mehr darüber… 😉

    …anderseits: los, futter Dir mal 10 Kilo Übergewicht an und dann lauf die Strecke noch mal! *zwinker*

    Hut ab, tiefe Verneigung und absolute Hochachtung aus Bremen!!

    1. Hey Eddy,

      natürlich musst Du auf Deine Leistung und neue Bestzeit stolz sein. Glückwunsch dazu. Danke Dir und wir beide werden dieses Jahr noch mehr zeigen, abgemacht?

      Ich esse schon soviel, …….

      Viele Grüße nach Bremen.

      Kay

  4. da kann ich mich meinen Vorkommentatoren nur anschliessen, Gratulation zu diesem Vorbereitungslauf und zur nebenbei aufgestellten PB;-) LG aus Sachsen

  5. Ach, so geht das, einfach mal einen Test-Trainingslauf und dann den ersten km unter 4min laufen. Danach sehen wie es weiter geht und locker ins Ziel einlaufen.

    Warum mache ich das bloß nicht so? Vielleicht weil ich nach dem ersten km in der Zeit soviel Laktat in den Beinen hätte das nicht mehr viel ginge…

    Klasse Leistung und so locker gelaufen, da wird Duisburg ja rocken. Für mich ein Grund mehr auch in Duisburg zu laufen. Jetzt kann die Generalprobe ja kommen, ich staune übrigens immer noch.

    1. Ok, es hört sich alles sehr leicht an, aber vielleicht liegt es aber auch genau daran, dass ich diesen Lauf wirklich nur als Test-Trainingslauf gesehen habe. Da geht man dann doch lockerer an das Ganze ran und verkrampft nicht, der Kopf ist frei – so einfach ist das 😉

      Bin gespannt, ob ich das bei der Generalprobe und in Duisburg auch so hin bekomme.

      Danke Dir für die Glückwünsche.

      LG Kay

  6. Sprachlos – Hammer – Grandios – Unglaublich – kurz

    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zu dieser herausragenden Leistung!

    ..und das so früh in der Saison, Mensch, mir schwant da kommt noch einiges von dir!!!

    Herzliche Grüße,
    Steffen

  7. Hatte dir ja schon auf Facebook gratuliert und möchte dir nochmal Glückwunsch zum perfekten Rennen sagen. So konstant wie du gelaufen bist denke ich das du auf einen guten Weg bist nun endgültig den Marathon unter 3Stunden zu packen. Drücke dir die Daumen!!!

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