Artikel über Herzmuskelentzündung

Habe einen sehr interessanten Artikel über die Hindergründe zum Thema Herzmuskelentzündung über Davengo.de gelesen.

Ruhe ist die einzige Therapie

Herztod bei jungen Sportlern

Der plötzlichen Herztod ist in Europa immer noch eine der häufigsten Todesursachen. Betroffen sind auch in fünf bis zehn Prozent der Fälle auch Jüngere, scheinbar Gesunde und Sporttreibende. Im Sport ist in erster Linie die Myokarditis (Herzmuskelentzündung) zu diskutieren. Was ist darunter zu verstehen?

Der plötzlichen Herztod ist in Europa immer noch eine der häufigsten Todesursachen. Betroffen sind in erster Linie ältere Menschen. Jedoch werden von diesem Tod in fünf bis zehn Prozent auch Jüngere, scheinbar Gesunde und Sport-treibende, ereilt. Bei etwa 70 Prozent dieser Ereignisse lässt sich die Todesur-sache klären. In den restlichen Fällen ist sie nicht zu verifizieren. Hierfür kommen eine Reihe Ursachen unter andern auch kardiale Gendefekte infrage.
Im Bereiche des Sportes ist für plötzliche Todesfälle in erster Linie die Myokarditis (Herzmuskelentzündung) zu diskutieren. Was ist darunter zu verstehen?Jeder kennt die schmerzenden Muskeln bei einem Grippeinfekt. Die Ursache liegt in einer Entzündung der Muskelfasern durch Viren. Analog können Viren und Bakterien den Herzmuskel befallen. Bakterielle Infekte waren früher in erster Linie die Domäne von verschleppten Hals- und Mandelentzündungen. Sie führten häufig zu einer schweren Schädigungen des Herzmuskels und einer Schädigung (bis zur vollständigen Zerstörung) von einzelnen oder mehreren Herzklappen. Dieses Krankheitsbild ist seltener geworden, da diese Art von Entzündungen durch moderne Antibiotika gut zu beherrschen ist. Im Ansatz sehe ich sie noch immer, wenn Eltern zum Beispiel Antibiotika-Anwendung bei ihren Kindern absolut ablehnen und die große Gefahr der bakteriellen Beteiligung des Herzens nicht einsehen wollen.
Das schwierigste Kapitel sind Virusinfekte mit Beteiligung des Herzmuskels. Es gibt eine große Anzahl von Viren die wir unter dem Begriff der cardiotropen Viren zusammenfassen, welche bevorzugt den Herzmuskel befallen können. Nicht immer ist der gesamte Herzmuskel betroffen. Häufig sind nur einzelne Wandareale vom Virus befallen.
Schwierige Diagnose

Die Diagnose ist in der Gegenwart trotz medizinischen Fortschritt noch immer problematisch. Ein Virusinfekt des Herzens ist mit dem Stethoskop nicht zu hören. Das Ruhe-EKG gibt kaum eine Information. Die Echokardiographie kann bei einem regionalen Befall des Herzmuskels Hinweise geben, ist aber selten beweisend. Das Belastungs-EKG hilft manchmal, wenn man einen normalen Vorbefund vorliegen hat etwas weiter.Von einzelnen kardologischen Zentren werden über Herzkatheter-Untersuchungen Biopsien direkt aus dem Herzmuskel vorgenommen, um aus mikroskopischen und immunologischen Analysen der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.
Diese Untersuchungsmethode muss äußerst kritisch gesehen werden und stößt selten auf Begeisterung. Sorgfältig vorgenommene Blutuntersuchungen können Hinweise geben, ihnen fehlt jedoch auch die Beweisführung. Um den Entzündungsverlauf zu dokumentieren sind sie aber unersetzlich. Zu bemerken ist, dass das Risiko der Myokarditis im wesentlichen durch die höchst individuelle Neigung zu Herzrhythmusstörungen bestimmt wird. Hier spielt die Langzeit-EKG-Registrierung insbesondere auch in der Verlaufs-Beobachtung eine sehr wichtige Rolle.
Die Revolution liegt in der MRT (Magnetresonanztomographie). Als erste Untersuchungsmethode kann diese struktu-relle Veränderungen des Herzmuskels aufzeigen und in vielen Fällen eine Beweisführung für das vorliegen einer Myokarditis erbringen. Aus meiner eigenen langjährigen sportkardiologischen Erfahrung ist es mir in der letzten Zeit gelungen, mit dieser Methodik sicher zu dia-gnostizieren. Leider gibt es Schwierigkeiten bei der Verordnung dieser Diagnostik, da die gesetzlichen Krankenkassen diese Leistung nicht übernehmen wollen.

Irrglaube an die Stärke des Sportlers

Das wirksamste Medikament mögen die Sportler überhaupt nicht, es heißt einfach Ruhe! Wir müssen zur Kenntnis nehmen, Antibiotika gegen Viren gibt es derzeit nicht. Jeder Betroffene hat mit diesem Geg-ner selbst fertig zu werden. Medikamente richten sich immer nach dem individuellen Krankheitsbild, sind aber selten kausal. Die Krankheitsdauer hängt vom Virustyp, der Immunstruktur und der psycho-physischen Gesamtsituation des Betroffenen ab.Eine Entzündung verändert jede Mus-kelzelle und führt zu Schwellungen be-ziehungsweise Verdickungen der Zell-membranen. Dieses hat zur Folge, dass die Sauerstoff- und Energieversorgung der Herzmuskelzelle sowie ihre Entgiftung bis zur vollständigen Ausheilung verlangsamt sind. Hierin liegt die große Gefahr. Belaste ich den Herzmuskel in oder unmittelbar nach der Entzündung im höheren Bereich, bricht ab einer bestimmten Belastungsintensität durch die Verdickung der Zellmembranen die Versorgung und Entgiftung zusammen und führt zu einem elektrischen Chaos, sprich tödlichem Herzflattern.

(Den gesamten Artikel finden Sie in LAUFZEIT 2/2009. Am einfachsten im Online-Abo – Zeitung lesen ohne Papier, erhältlich hier bei davengo.)

Autor: Dr. Willi Heepe

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